Haus & Geschichte
Das Doppelwohnhaus Bohlgass 12 (Assekuranz-Nr. 16) steht in Beggingen in engerem Ensemble mit der Reformierten Kirche und dem Kehlhof an höchst gelegener Stelle des Dorfes. Es gilt als «ältestes Haus» Beggingens.
Gebäude und Ensemble
Das zweigeschossige Haus bedeckt beinahe quadratisch eine Grundfläche von 10,8 auf 11,2 Metern. Die Aussenwände sind in Sichtfachwerk gezimmert; die eigenwillige Gestaltung und die karge Befensterung deuten auf einen ursprünglichen Speicherbau, der später zu einem Doppel-Wohnhaus umgebaut wurde. Zusammen mit Kirche und Kehlhof bildet es den historischen Siedlungskern – eine frühe Photographie zeigt das Dorf mit diesen drei Bauten an höchst gelegener Stelle.
Baugeschichte
15./16. Jh. – Speicher: Der Kernbau umfasste bereits das heutige Volumen mit Halbwalmdach. Es handelte sich mutmasslich um einen Zehntenspeicher des Kehlhofes. Die Ständer und das Gebälk mit dekorativen Kopfbändern (Zahnschnittblätter) stammen aus dieser Zeit; der Dachstuhl mit Giebelbindern und Freibindern ist vollständig erhalten.
17./18. Jh. – Doppel-Wohnhaus: Der Speicher wurde in zwei Wohnteile umgebaut – ein Vier-Raum-Haus (südwestlich) und ein Zwei-Raum-Haus (nordöstlich). Bohlenwände und offene Feuerstellen prägten den Ausbau; die starke Verrussung des Holzes zeugt von langer Nutzung.
Weitere Etappen: 1833 erneuerte Hans Georg Wanner die Ofenanlage im nordöstlichen Hausteil (Kachelofen mit Inschrift «18 HGW AMW 33»). 1876 erfolgte die Ziegeleindeckung anstelle von Nagelschindeln; um 1900 Erneuerungen im südwestlichen Wohnteil. Im 20. Jh. kamen Wanderneuerungen und Putzabrieb hinzu.
Historischer Kontext: Kehlhof / Fronhof
Beggingen ist seit 973 aktenkundig. Eine bis ins 20. Jh. zum Wohnhaus gehörige Stallscheune (Assekuranz-Nr. 23) steht gegenüber dem Wohnhaus als Teil des Kehlhofes – die Deutung, der einstige Speicher habe zum Kehlhof gehört, liegt deshalb nahe. Am 2. Oktober 1633 wurde das Dorf im Dreissigjährigen Krieg überfallen und zerstört; das Ensemble Kirche, Kehlhof und aktuelles Objekt prägt bis heute die Ortsgeschichte.
Bedeutung als Denkmal
Als Denkmalwert und kulturgeschichtlicher Zeugniswert treten hervor: die Lage in nächster Nähe zur mittelalterlichen Kapelle und zum Kehlhof; die mutmassliche Zugehörigkeit zum Kehlhof; die eigenwillige äussere Erscheinung; das hohe Alter; die besonders gute Lesbarkeit der Baukonstruktion und ihrer Entwicklung; der vollständig erhaltene Dachstuhl der Hausbauzeit; die Entwicklung vom Speicher zum Doppel-Wohnhaus; die weitgehend authentisch erhaltenen Baustrukturen und Innenausbauten; die Kachelofenanlage von 1833.